Moin, Moin - Wir begrüßen Sie in Schleswig-Holstein,
Ihrem Ferienland zwischen Nordsee und Ostsee!
Geschichten aus Schleswig-Holstein 
 Sittengeschichte der Bademoden

Schleswig-Holstein ist das deutsche Ferienland zwischen den Meeren. Das Baden ist Bestandteil eines jeden Urlaubs bei uns im Norden. Jung und Alt tummelt sich an den Stränden der Nord- und Ostsee und den Pools rund um die Hotels und Freizeitanlagen. Damals wie heute präsentieren sich die Badelustigen in den neuesten und ausgefallensten Kreationen der aktuellen Bademode. Wer heute "au jour" sein möchte, der zeigt mehr denn je, was er zu zeigen hat. Grenzen des "Geschmacks" sind kaum noch vorgeschrieben.

Unsere Vorfahren an Nord- und Ostsee allerdings erlebten Zeiten, in denen es wesentlich "sittlicher", also zugeknöpfter zuging. Auch gab es Zeiten, in denen unsere Ahnen das Bad scheuten, wie der Teufel das Weihwasser.

Ein kurzer Ausflug in die Sittengeschichte des Bades und der Moralbegriffe betroffender Badegäste soll uns aufklären!

Bei den alten Germanen war das Bad ein wirksames Mittel gegen Krankheit, Schuld und sonstigen Verdruß. Unsere Vorfahren badeten gerne und oft. Sie spülten beim Baden sprichwörtlich "ihre Probleme vom Körper".
Eine Kleiderordnung allerdings kannten sie nicht: sie badeten nackt.

Die Römer dagegen kannten schon eine spezielle, erotisch raffiniert ausgeprägte und Bikini ähnliche Bademode, wie sizilianische Mosaiken uns noch heute anschaulich belegen. Aber auch bei den Römern stand die heilige und heilende Kraft des Bades im Vordergrund. Diese Grundeinstellung zum Bad hielt sich bis ins Mittelalter. Im Bad war sogar der Schuldner vor dem Gläubiger sicher, ähnlich dem Status der Kirchen.

Bademode im Mittelalter spielte sich hauptsächlich auf dem Kopfe der Badenden ab. Vor allem die badefreudigen Damen übertrumpften sich gegenseitig mit den ausgefallensten Kopfbedeckungen. Und die sonstige Badebekleidung? - Die gab es nicht. Aus dem moralischen und religiösen Selbstverständnis heraus war eine Bekleidung im Bade auch unnötig. Nacktbaden, ohne Bekleidungsregeln und hindernder Moral, entsprach den sinnesfreudigen Auffassungen des Mitellalters. Zum fröhlichen Schwatz, zu Schmaus und Trunk, zum Lautenspiel, Gesang und anschließenden Lustbarkeiten trafen sich Badende beiden Geschlechts im Mittelalter (14./15. Jahrhundert) im Badehaus der Stadt. Das Baden im selben Zuber galt als normal. In der Mitte lag ein Serviertisch über den Bottich, überladen mit Essen und Trinken.

Das Badehaus im Mittelalter war Heiratsvermittlung ersten Grades. Der Bader verkuppelte lebenshungrige Singles gegen Bezahlung. Reiche Bürger im Mittelalter konnten sich schon ein privates Badevergnügen leisten. Dabei gehörte eine hauseigene Badestube und auch Sauna zur Wohnkultur des 15. Jahrhunderts. Natürlich weckten diese privaten Badevergnügen den Neid und religiöse Kritik der Neider und Moralapostel.

Doch was alle Kritiker und religiösen Ereiferer nicht schafften, brachte die extreme Preissteigerung für das Brenn- und Heizmaterial Holz und - vor allem die Syphilis. Spanische Soldaten schleppten diese damals tödliche Krankheit von Westindien nach Europa ein. Die "Franzosenkrankheit" führte dazu, daß in der damaligen westlichen Welt das gemeinsame Baden gemieden wurde, wie die "Pest". Auch in Deutschland war die Entwicklung des öffentlichen und damit gemeinsamen Badens über Jahrhunderte blockiert.

Erst im Rokoko bekamen höfische Gesellschaften wieder gelegentlich Spaß an einem gemeinsamen Bad. In voller Bekleidung stiegen Damen und Herren fein genierlich in die Fluten kleiner Seen, Flüße und privaten Teichen der Schlösser. Eine spezielle Bademode existierte nicht. Das Nacktbaden wie im Mittelalter war undenkbar. An sich unverständlich, bedenkt man die damals ungehemmten, galanten Sitten auf dem "Trockenen". Die Vielzahl der adeligen Damen "wateten" lediglich voll angezogen in Seidenkleidern und weiten Spitzenkragen am Strand im seichten Wasser und "benetzten" dabei ihre unbedeckten Knöchel.

Erst am Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in Deutschland eine eigene Form der Bademode. Die Badekostüme wurden damals der aktuellen Leibwäsche nachempfunden. So war es nicht ungewöhnlich, daß Badekostüme wie Schlafgewänder aussahen. Die Zahl der Badenden wuchs an Nord- und Ostsee beständig. Insbesondere war dies auch eine Folge der Epoche "der Aufklärung". Die Förderer der "Aufklärung" setzten auf die "Entwicklung des natürlichen Menschen" und dessen direkten Bezuges zur Natur. Die aufgeklärten Mediziner forderten die Errichtung von öffentlichen Badeanstalten, wie in England. Der satirische Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg forderte 1793 im Göttingischen Taschenkalender: "Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad?" In England hatte man zu dieser Zeit schon lange die Auswirkungen von öffentlichen Seebädern (Brighton, Hastings, Ramsgate und das Nobel-Bad Bath) erkannt, weltweit damit Schlagzeilen bewirkt und den Exclusiv-Tourismus der reichen Elite angekurbelt.

Um den Exodus der Kur-Elite zu verhindern, unterstützte der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland den Antrag von Georg Christoph Lichtenberg. Am 9. September 1793 wurde das erste deutsche Seebad eröffnet: Heiligendamm an der Ostseeküste. 1797 folgte Norderney an der Nordsee.

Überliefert wurde das angeblich absolut prüde Verhalten der reichen Badenden, die in der Öffentlichkeit mit ihren Badekostümen angeblich nur in Bretterkisten, "Aalkästen" und Bäderkarren, die ins seichte Wasser geschoben wurden, abgeschirmt vor den Augen anderer badeten. In dieser Zeit wurde auch der "Strandkorb" geboren! Die Entwicklung der "frei" Badenden explodierte trotzdem. Schon 1837 standen den akkurat erfaßten 998 Karrenbädern 4.136 frei badende Kurgäste entgegen. Unter der Schirmherschaft des Kaisers schossen mondäne Hotels und Kuranlagen aus dem Boden. Am Strand verschmolzen die sonst streng getrennten Klassen: adelige Kurgäste und bürgerliche Ortsansäßige traffen sich beim Baden.

Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich dadurch eine eigenständige Bademode, unabhängig der Intentionen der adeligen Klasse.

- Für die Frau: Die Badeanzüge waren aus derben Baumwollstoffen geschneidert. Die Tunikaartigen Überkleider im Marinelook, mit kurzen Ärmelchen über einem Fischbeinkorsett, reichten den Frauen bis weit über die Knie. Darunter trugen die Badenden eine wadenlange Hose. Der Badeanzug war bei den Reichen mit Faltenrüschen und goldenen Knöpfen verziert. Auf dem Kopf trug die modebewußte Badende einen helmartigen Stroh- oder Stoffhut zum Schutz gegen die Sonne.
- Der Herr: seine Badehose war lang genug, die Oberschenkel zu bedecken.
- Kinder badeten in "niedlichen" "Matrosenanzügen" und "Prinzeßkleidchen", wenn sie baden durften.

Das preußische Königstum bestimmte klar die damalige Bademode: für Sex-Appeal war damals kein Platz. Die Frau mußte nach preußischer Ordnung ein keusches, und auf den angetrauten Ehemann fixiertes Familienleben führen. Dementsprechend war die Bademode für die Frau vorbestimmt und vom dominierenden Korsett bestimmt.

Erst nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches und dessen die Gesellschaft bestimmende Moralvorstellungen kam Bewegung in die Bademode. Meilenstein sind die "Wilden 20ziger Jahre" mit der Einführung des Bade-Trikots im Jahre 1920. "Kniefrei" war der absolute "Renner" und mit einem Schlag selbstverständlich. Eine Spirale der "Bade-Freiheit" setzte sich ungebremst in Bewegung. Statt des prüden schwarz und marine-blau dominierten plötzlich frische Farben und freche Schnitte. Das Design der weiblichen Badeanzüge wurde immer knapper. Selbst Politiker der damaligen Zeit "kreierten Bade-Mode". Reichspräsident Ebert und Reichswehrminister Noske ließen sich 1919 im Ostseebad Haffkrug/Travemünde von Pressefotografen ungeniert im Wasser stehend (bis zu den Füßen) mit "nur" großformatigen weißen Militärbadehosen fotografieren! Welch ein Skandal von Berlin bis München!

Aber es kam "noch besser"! Auf dem "Berliner Strandfest an der Ostsee" im Marz 1926, dem damaligen "Ball der Bälle 1926" wurden im Berliner Sportpalast Damen-Badeanzüge präsentiert, die selbst die großstadtverwöhnten Berliner von den Stühlen riß. Im Laufe der Show wurde die "Königin der Ostsee" gewählt und dem tobendem Publikum "tiefe Einblicke" in die neue Bademode gezeigt. Bade-Mode, die die weiblichen Brustwarzen nur durch verlängerte Träger (ähnlich den männlichen Hosenträgern) annähernd verdeckte. Zusätzlich wurde viel Bein für "Apres-Bath" in Strapsen mit Seidenstrümpfen auf hochhackigen Stöckelschuhen gezeigt. Der männlichen Fantasie und dem Wunsch der Frau, dominat zu sein, wurde schon damals freien Lauf gelassen. Zusätzlich wurde eine neue Kollektion von tiefdekoltierten Einteilern vorgestellt. Noch heute gilt diese Mode-Show als Vorläufer der 1929 in Frankreich gezeigten "Reviera-Mode" und ist bis heute Vorbild aller Bademode-Vorstellungen.

Doch die damalige Regierung sah die Dinge anders und bremste die Entwicklung der Bade-Moral rapide mit dem "Zentimetermaß". Der "Zwickelerlaß" vom 18. August 1932 regelte fortan die "Badelust" der Deutschen. Das Nacktbaden wurde kurzerhand verboten. Das Zusammenspiel der Geschlechter beim Baden wurde per Gesetz geregelt. "Frauen dürfen nur dann öffentlich baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. In sogenannten Familienbädern haben Männer einen Badeanzug zu tragen."

Nach dem Zusammenbruch des "Tausendjährigen Reiches" erstarb auch der "Zwickelerlaß". Die Deutschen wendeten sich in Modefragen voll den amerikanischen Siegern zu. Amerikanische Vorbilder prägten über Generationen die deutsche Bade-Mode nach 1945. Der Bikini hielt nach 1949 seinen aufsehenerregenden Siegeszug. Spaghetti-Träger enthüllten zunehmend den letzten Streifen weiblicher Haut.

Ab 1950 kam der "New Look". Stoffe wie Nylon machten aus dem weiblichen Badeanzug eine "Zweite Haut", die zwar bedeckt, aber nichts mehr versteckt. Im nassen Zustand sind manche Badeanzüge sogar transparent.
Bei jungen, sportlichen Männern wurde die Badehose zum hauchdünnen Slip. Die neueste Bademode leitet sich aus den heißen Gefilden Brasiliens ab: Tanga und String.

Auch die Freunde der Freikörper-Kultur (FKK) finden wieder zunehmend Anhänger an Nord- und Ostsee, nachdem diese Form der Körperertüchtigung ab 1938 als "entartet" verpöhnt war. Überall an unseren Stränden finden sich separate Strände oder Strandbereiche für die wachsende Zahl der Anhänger der Freikörperkultur.

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